Lange Zeit waren Behandlungen mit Arzneimittel-Kombinationen-ausschließlich mit Befürchtungen wie möglicher negativer Wechselwirkungen und Potenzierung unerwünschter Ereignisse verbunden. Doch heute werden sie – insbesondere in der Therapie von Krebs- und Rheuma-Erkrankungen – immer mehr erfolgreich eingesetzt. Der Schlüssel liegt im so genannten „überadditiven Effekt“ der kombinatorischen Wirkung mehrerer Arzneimittel. Zwei oder mehr Wirkstoffe erzeugen also zusammen einen Gesamteffekt, der nicht zustande käme, wenn die einzelnen Wirkstoffe separat angewendet würden. „Mathematisch würde dies ‚Eins plus Eins größer Zwei’ entsprechen“, erklärt die Organisatorin des Synergy Forums Privatdozentin Dr. Gudrun Ulrich-Merzenich, Leiterin der Arbeitsgruppe „Synergieforschung und Experimentelle Medizin“ an der Medizinischen Klinik III des Universitätsklinikums Bonn.

Die Synergieforschung, ein relativ junges Fachgebiet, beschäftigt sich mit den zunehmend neuen Perspektiven, die ein derartiger Synergismus für die Erforschung und Anwendung kombinatorischer Therapiekonzepte eröffnet. So bieten Kombinationen von „Multitarget“-Substanzen – einschließlich Naturstoffen – und hoch spezifischen Pharmazeutika die Möglichkeit, zukünftig chronische und immunologische Erkrankungen oder einzelne Krebsarten zielgenauer, kostengünstiger und mit weniger Nebenwirkungen zu therapieren. Beispielsweise zeigt eine Bonner Studie an der PD Dr. Ulrich-Merzenich maßgeblich beteiligt war, dass mit einem kombinatorischen Behandlungsansatz eine erworbene Hämophilie A – eine seltene Gerinnungsstörung, bei der es zum plötzlichen Auftreten von meist ausgeprägter und lebensbedrohlicher Blutungsneigung bei zuvor unauffälligen Patienten kommt – heilen kann. Auch für die Behandlung von schwerem allergischem Asthma konnten kürzlich neue kombinatorische Ansätze erfolgreich untersucht werden.

Am 9. und 10. März diskutieren führende Wissenschaftler aus neun Ländern auf dem „Synergy Forum 2018“ in Bonn über die aktuellen Grundlagen, neuen Entwicklungen und Anwendungen in der klinischen Praxis.