Die Freie Wohlfahrtspflege in NRW appelliert an die Wirtschaft, mehr Schwerbehinderte einzustellen.

Ruhrgebiet (cde) Knapp 60 Prozent der rund 47.000 schwerbehinderten Arbeitslosen in NRW sind hochqualifiziert. Die Wirtschaft könnte sie als Fachkräfte einsetzen. Die Freie Wohlfahrtspflege im Ruhrgebiet fordert, die Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen in der Region zu verbessern.

Mit dem aktuellen Arbeitslosenreport belegt die Freie Wohlfahrtspflege in NRW, dass arbeitslose Schwerbehinderte nicht im gleichen Maße von der positiven Gesamtentwicklung am Arbeitsmarkt profitieren wie nicht-schwerbehinderte arbeitslose Menschen. Und das, obwohl sie im Schnitt besser qualifiziert sind als Arbeitslose ohne Schwerbehinderung. Gleichzeitig beklagen viele Arbeitgeber, keine qualifizierten Fachkräfte auf dem Bewerbermarkt zu finden. Eine weitere Diskrepanz zeigt sich in der realen Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen vor allem bei privaten Arbeitgebern.

Arbeitslosigkeit trotz guter Qualifikationen gestiegen

Der aktuelle Arbeitslosenreport zeigt auf, dass die Zahl gesetzlich vorgeschriebener Pflichtarbeitsplätze aufgrund zunehmender sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse ebenfalls stetig anwächst. Denn ab einer Größe von 20 Arbeitsplätzen ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, wenigstens 5 Prozent seiner Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Steigt die Beschäftigtenzahl generell, sind die Betriebe gefordert, weitere Pflichtarbeitsplätze zu besetzen oder aber sich mit der Bezahlung einer „Ausgleichsabgabe“ von dieser Verpflichtung „freizukaufen“. Landesweit betrachtet hat sich der Anteil unbesetzter Pflichtarbeitsplätze bei Arbeitgebern der Privatwirtschaft über die letzten Jahre nicht bedeutend verringert.

Für den überwiegenden Teil der Städte im Ruhrgebiet ist festzustellen, dass trotz einer insgesamt besseren Gesamtentwicklung am Arbeitsmarkt der Anteil der schwerbehinderten Arbeitslosen an allen Arbeitslosen im Vergleich von März 2017 zu März 2018 von 6,9 Prozent auf 7,5 Prozent gestiegen ist. Lediglich in den Städten Essen, Mülheim und Oberhausen ist die Quote geringfügig gesunken. Gleichzeitig sind im Ruhrgebiet im Jahr 2016 bei privatgewerblichen Betrieben mit Ausnahme der Stadt Duisburg und des Ennepe- Ruhrkreises über 20 Prozent der Pflichtarbeitsplätze unbesetzt geblieben sind – und das, obwohl 57,4 Prozent der schwerbehinderten Arbeitslosen im Ruhrgebiet eine berufliche Qualifikation haben. Sie werden von Seiten der Agentur für Arbeit oder der Jobcenter als Fachkraft, Spezialist oder Experte eingestuft. Von den nicht-schwerbehinderten Arbeitslosen erfüllen nur 37,8 Prozent im Ruhrgebiet dieses Anforderungsniveau.

Eine klassische Win-Win-Situation

Für unsere Region benötigen wir eine Initiative, damit private Arbeitgeber die Chancen für die Beschäftigung schwerbehinderter Fachkräfte erkennen“, so Sabine Depew, Diözesan-Caritasdirektorin des Ruhrbistums, „wir haben doch hier eine klassische Win-Win-Situation – Fachkräfteprobleme bei Arbeitgebern lösen und mehr schwerbehinderten Arbeitslosen eine nachhaltige Beschäftigung und soziale Teilhabe ermöglichen.“ Sollte zukünftig keine deutliche Verbesserung bei der Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen auf Seiten der Arbeitgeber erkennbar sein, fordert die Freie Wohlfahrtspflege in NRW dazu auf, ernsthaft über die Höhe der „Ausgleichsabgabe“ nachzudenken. Mit zusätzlichen Mitteln könnten mehr inklusive Arbeitsplätze zum Beispiel bei Inklusionsbetrieben eingerichtet, aber auch zusätzliche Beratungs- und Coachingangebote für Unternehmen angeboten werden. Sie tragen dazu bei, Vorbehalte und Ängste von Arbeitgebern gegenüber einer Beschäftigung schwerbehinderter arbeitsloser Menschen abzubauen. (CS)

Hintergrund:

Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den „Arbeitslosenreport NRW“. Darin enthalten sind aktuelle Zahlen und Analysen für Nordrhein-Westfalen. Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Jede Ausgabe widmet sich einem Schwerpunktthema. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und zur Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen.

Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter www.arbeitslosenreport-nrw.de heruntergeladen werden. Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz. Ziel der regelmäßigen Veröffentlichung ist es, den Fokus auf das Thema Arbeitslosigkeit als wesentliche Ursache von Armut und sozialer Ausgrenzung zu lenken, die offizielle Arbeitsmarktberichterstattung kritisch zu hinterfragen und dabei insbesondere die Situation in Nordrhein-Westfalen zu beleuchten.

Alle Ausgaben des Arbeitslosenreports sowie weiterführende Informationen unter:


Text: Caritasverband für das Bistum Essen e.V. / Bild: ingimage