Einrichtung der Diakonie Ruhr für junge Menschen mit schwerer Behinderung feiert ihr Zehnjähriges

Bevor es das Kinderhaus gab, hatten Bochumer Eltern von Kindern mit schwerer Behinderung nur zwei Optionen: Pflege und Betreuung innerhalb der Familie selbst zu übernehmen und zu organisieren oder das Kind schweren Herzens einer Einrichtung außerhalb des Ruhrgebiets anzuvertrauen. 2008 eröffnete die Diakonie Ruhr mit dem Kinderhaus Bochum an der Wasserstraße 435c ein maßgeschneidertes Angebot mit 24 Plätzen zur Entlastung von Familien. Jetzt hat es sein zehnjähriges Bestehen gefeiert.

Zu diesem Anlass erinnerte die Mutter von Phil daran, wie ihr Sohn vor vier Jahren verhaltensauffällig wurde und aus seinem Schlaf-Wach-Rhythmus geriet. Zwei Jahre lang bemühten sich Eltern und der ältere Bruder, damit umzugehen. Doch nach und nach wurden alle drei durch die Situation krank. Phils Mutter ließ sich im Kinderhaus beraten, ihr Sohn zog dort ein, verbringt aber die Wochenenden zuhause, Eltern und Bruder schauen fast täglich vorbei. „Es ist in unserer Familie wieder Ruhe eingekehrt. Und Phil hat im Kinderhaus manche Sachen gelernt, die zuhause nicht möglich waren, weil wir alle so unter Strom standen“, sagte sie.

Beim Festakt nannte Bürgermeisterin Gabriela Schäfer Bochums einzige stationäre Einrichtung nur für Kinder und Jugendliche mit Behinderung „einen Segen für die Stadt“ und „modellhaft für ganz NRW und darüber hinaus“.

Diakonie-Ruhr-Geschäftsführer Jens Koch betonte, das Kinderhaus habe Inklusion bereits umgesetzt, als der Begriff für viele noch unbekannt war. „Unsere Idee war ein Heim, das kein Heim ist. Einen sicheren Ort entstehen zu lassen, an dem Entwicklung möglich ist. Und es sind ganz erstaunliche Entwicklungen möglich“, sagte Einrichtungsleiter Heiner Bartelt. Familien zu stärken und ihren Frust zu senken, sei immer die Maxime gewesen.

„Ziel ist es nicht, den Eltern die Kinder zu nehmen, sondern eine gute Situation zu schaffen, in der die Kinder auch wieder dauerhaft nach Hause zurückkehren können“, sagte Cornelia Heemann, stellvertretende Leiterin des Kinderhauses. 16-mal gelang dies in den vergangenen zehn Jahren.

Für die intensive Heilpädagogik vor Ort braucht es ein gutes Team. Viele Mitarbeiter der ersten Stunde sind noch mit dabei. „Sie alle leisten einen besonderen Dienst. Sie müssen Grenzen setzen, Konflikte lösen und auch mit herausforderndem Verhalten umgehen“, betonte Marita John, Fachbereichsleiterin Behindertenhilfe bei der Diakonie Ruhr.

Zusätzlich zum offiziellen Festakt, lud das Kinderhaus alle Bewohner, Ehemalige und Eltern noch zu einer separaten Feier ein. Bei Livemusik, Eis von „I am Love“, Seifenblasen und Clownerie kamen alle auf ihre Kosten. Im November veranstaltet die Einrichtung noch einen Fachtag.


Bildunterschrift: Spielen mit viel Platz: Eine Bewohnerin des Kinderhauses auf dem Trampolin im Garten (Foto: Bernd Röttgers)