Bildunterschrift: Zur Kick off-Veranstaltung des Projekts „Demenz-Dinge“ lud das katholische Seniorenzentrum Marienheim in Essen-Überruhr alle Beteiligten und interessierte Bürger ein. Auch Oberbürgermeister Thomas Kufen (rechts) kam dazu. „Das ist unser Thema“, sagte er mit Blick auf die demographische Entwicklung im Ruhrgebiet.

Oft gibt es einen simplen Trick, sich Dinge zu erleichtern – sogenannte „Life-Hacks“ helfen bei alltäglichen Arbeiten wie zum Beispiel beim Schälen von Orangen, Falten von Kleidung und vielem mehr. Die Anwendung von Life-Hacks findet nun auch Verwendung in der Altenpflege im Projekt „Demenz-Dinge“ in Essen. Das Projekt macht sich auf die Suche nach Alltagsgegenständen, die demenzkranken Menschen und ihren Angehörigen den Alltag mit der Demenz erleichtern. Um zu erfahren, in welchen Bereichen es Probleme im Alltag gibt, sucht die Folkwang Universitöt der Künste im Auftrag des Projektes nun nach Betroffenen, um eigene Ideen zur Entwicklung neuer Life-Hacks für das Leben mit Demenz beizutragen.

Projekt eint Altenpflege und Design

„Demenz-Dinge“ haben einen handfesten Nutzen, wenn es darum geht, als Demenzkranker möglichst selbständig in den eigenen vier Wänden wohnen zu können. „Wir wollen mit dieser Projektidee die ambulante Betreuung verbessern, um stationäre Pflege möglichst weit hinauszuschieben“, erklärt Stiftungs-Direktor Meinolf Roth die Motivation der gemeinnützigen katholischen Theresia-Albers-Stiftung, als Projektträgerin selbst 70.000 Euro in das auf drei Jahre angelegte Vorhaben zu stecken. Den Löwenanteil von 700.000 Euro investiert die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW. Ein multiprofessionelles Team aus Gestalterinnen des Studiengangs Industrial Design der Folkwang Universität der Künste, Altenhilfe-Fachkräften der Theresia-Albers-Stiftung und der Katholischen Pflegehilfe sowie einem Soziologen hat sich zu diesem Projekt zusammengeschlossen. Die Wohnungsgenossenschaft GEWO Bau stellt dem Projekt kostenlos Räume zur Verfügung.

Kreative Alltagshelfer gesucht

Geplant ist, Demenzkranke und ihre Angehörigen daheim zu besuchen, gemeinsam zu überlegen, welche Lösungen das Leben erleichtern könnten, und dann an den kreativen Alltagshelferlein zu tüfteln. Ziel ist, dass die Grundbedürfnisse versorgt werden, der Demenzkranke möglichst selbständig bleibt, sich sicher fühlt und sich gut beschäftigen kann. In einem späteren Schritt soll ein Schulungskonzept mit Methodenkoffer aufgelegt werden, um Betreuer zu befähigen, selbst Life-Hacks zu entwickeln.

Manche „Demenz-Dinge“ sind ganz einfach anzuwenden, man muss nur drauf kommen: Zum Beispiel mit einem Gummiband um beide Klinken einer Tür den Schnapper zurückzuhalten, damit die Tür nicht ins Schloss fallen kann. Andere Hilfen müssen eigens hergestellt werden: Wer regelmäßig einem Demenzkranken in die Kleidung hilft, freut sich über ein Oberhemd mit Reißverschluss im Rücken – da müssen nur noch die Arme vorgestreckt werden. Menschen ärgern sich beim Brettspiel, wenn einer ständig in die falsche Richtung setzt oder seine Spielfigurenfarbe vergisst; deshalb werden die Setzfelder einfach durch Pfeile ausgetauscht und der Spielfeldrand über die ganze Breite mit der richtigen Farbe markiert.

Angehörige und Betroffene gesucht

Was dem Projekt „Demenz-Dinge“ nun noch fehlt, sind Angehörige und Betroffene, die Lust haben, sich zu beteiligen. „Unser Team kommt dann regelmäßig zu Ihnen nach Hause und entwickelt mit Ihnen zusammen Alltagshelfer, die Sie daheim in Ruhe testen können“, erklärt Folkwang-Professorin und Projektleiterin Carolin Schreiber. Das Angebot sei kostenfrei und verpflichte zu nichts, die Besuchszeit sei flexibel wählbar. Interessenten können über die Internetseite www.demenz-dinge.de Kontakt aufnehmen oder sich an die Katholische Pflegehilfe (Telefon:0201/85204-0) oder die Theresia-Albers-Stiftung (Telefon: 02324/5988666) wenden.


Quelle: Caritasverband Bistum Essen (Foto: Cordula Spangenberg | Caritas)