Nur jeder vierte an Demenz Erkrankte in Nordrhein-Westfalen (NRW) wird mit einem Antidementivum behandelt. Die große Mehrheit erhält lediglich Beruhigungsmittel wie Neuroleptika und Benzodiazepine oder gar keine medikamentöse Therapie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) im Rahmen des TK-Innovationsreports 2018. „Die derzeitig verfügbaren Medikamente gegen Alzheimer-Demenz können den Krankheitsprozess verlangsamen und müssen den Patienten selbstverständlich verordnet werden“, fordert Barbara Steffens, Leiterin der TK-Landesvertretung NRW. „Unsere Daten zeigen, dass die rund 300.000 Demenzerkrankten in NRW aktuell unter einer massiven Fehlversorgung leiden“.

Die hohe Verschreibungsquote von Beruhigungsmitteln und gleichzeitige Unterversorgung mit Antidementiva lasse sich nicht mit medizinischen Leitlinien erklären. Im Gegenteil, so Steffens weiter: „Hier liegt der Verdacht nahe, demente Menschen sollen einfach ruhig gestellt werden, statt sie richtig zu behandeln.“ Für die Zukunft fordert die TK-Landeschefin, dass „die medikamentöse Therapie Demenzerkrankter Menschen leitliniengerecht erfolgen sollte und die Entwicklung neuer Wirkstoffe vorangebracht werden müsse.“

Eine bessere medikamentöse Therapie sei aber nur ein Baustein bei der Behandlung von dementen Patienten. „Mindestens ebenso so wichtig ist die individuelle Lebens- und Wohnsituation der Betroffenen. Eine Mischung aus professioneller Pflege und einem intakten sozialen Umfeld kann Demenzerkrankten eine hohe Lebensqualität sichern“, so Steffens.


Quelle: TK Die Techniker
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