Im vergangenen Jahr meldeten sich 1.375 Versicherte bei der Techniker Krankenkasse (TK) in Nordrhein-Westfalen (NRW) mit Verdacht auf einen Behandlungsfehler. Das ist ein Anstieg von mehr als 17 Prozent im Vergleich zu 2016. Bundesweit ist ein Plus von 16,3 Prozent (5.458 Versicherte) zu verzeichnen. Aus einem Anfangsverdacht einen tatsächlichen Fehler zu identifizieren, bleibt aber eine Herausforderung. Barbara Steffens, Leiterin der TK Landesvertretung in NRW: „Für medizinische Laien ist es häufig schwer einzuschätzen, ob ein Krankheitsverlauf schicksalhaft ist, oder ob er auf einen Fehler des Arztes oder der Pfleger zurückzuführen ist. Etwa bei jedem dritten Fall erhärten sich im Laufe des Gesprächs und der späteren Überprüfung die Hinweise auf einen Behandlungsfehler, sodass wir ein Gutachten beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen in Auftrag geben.“ Gleichzeitig geht die TK davon aus, dass es noch eine hohe Dunkelziffer an unentdeckten Behandlungsfehlern gibt. „Viele Versicherte kommen gar nicht auf die Idee, sich bei der Krankenkasse zu melden und Hilfe zu holen“, erklärt Steffens.

Die deutschen Gesetze müssten ihrer Ansicht nach wesentlich stärker die Patienten schützen. „Für mehr Sicherheit in der medizinischen Versorgung müssen wir endlich die Interessen der Patienten in das Zentrum des deutschen Rechts stellen und nicht länger die Interessen der Hersteller“, fordert Steffens. Schlecht sieht es beispielsweise bei Medizinprodukten wie künstlichen Gelenken, Herzschrittmachern oder Brustimplantaten aus. Für diese Artikel gibt es in Deutschland keine tatsächlich wirksame Sicherheitsüberprüfung. Lehnt eine Zertifizierungsstelle ein Produkt aus Sicherheitsgründen ab, kann der Hersteller einfach zum nächsten Institut gehen und dort gegen Gebühr eine erneute Prüfung verlangen. Einmal zugelassen steht ihnen der europäische Markt offen. Es gibt keine zentrale Beobachtung, wie häufig die Produkte versagen oder wie lange sie ihren Dienst tun.

Hintergrundinfo:

Die TK unterstützt ihre Versicherten mit einer Beratungshotline (040 – 46 06 61 21 40), einem Online-Lotsen (www.tk.de, Webcode 132622) und einer Beratungsbroschüre (Webcode 821320). Sollte sich der Verdacht erhärten, kann die Krankenkasse medizinische Gutachten erstellen lassen. Diese sind für die Versicherten in der Regel kostenfrei und können von ihnen auch für Schadensersatz-Verhandlungen mit dem Arzt, dem Krankenhaus, der zuständigen Haftpflichtversicherung oder vor Gericht genutzt werden. Entscheidet sich die Krankenkasse für eine Klage, dann kann der Versicherte in Ruhe den Ausgang des Gerichtsverfahrens abwarten und anschließend überlegen, ob eine eigene Klage Aussicht auf Erfolg hat.


Quelle: Techniker Krankenkasse Landesvertretung Nordrhein-Westfalen